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Meisterkurs mit Florian Meierott im Schüttbau Rügheim


Die Methoden des Florian Meierott

RÜGHEIM Fast zwei Wochen sind junge Musiker aus der ganzen Welt im Schüttbau in Rügheim zu Gast. Zum dritten Male findet ein Meisterkurs für Violine statt. Gekommen sind Talente und vielleicht die Stars von morgen.

3. Meisterkurs der Bayerischen Streicherakademie, klingt seriös. Seriös auch der Prospekt, der für den Kurs wirbt. Florian Meierott ist die Hauptperson. Der als Teufelsgeiger titulierte "Meister der Geige" schert sich jedoch "einen Teufel um Seriosität". Für ihn sind Geige und Musik Leben. Ein Leben, das nicht im feinen Zwirn zirkuliert, sondern in allen Lebenslagen, wenn es heiß ist, auch in kurzer Hose.

Und Leben soll für Meierott Spaß machen. Nur so kann man nach seiner Ansicht ein guter Geiger werden. Zwölf junge und reifere Geiger sind seit Montag im Schüttbau vereint. Bis 3. August leben sie unter einem Dach, um ihre Künste beim Geigenspielen zu verbessern. Es geht sehr locker zu, doch auf eines können sich die Schüler verlassen: Meierott lockt aus jedem das Beste heraus. Hans-Jürgen Kroitzsch aus Immenstadt, der mit seinen 46 Jahren den Altersdurchschnitt kräftig anhebt, ist selbst Geigenlehrer. Er kam nach Rügheim, weil er von den ungewöhnlichen Methoden des Florian Meierott gehört hat und den Teufelsgeiger "ein klein wenig besser als sich selbst einschätzt und damit noch etwas lernen kann", wie er lachend sagt.

Und schon sind die jungen Damen und Herrn, die so gegen 11 Uhr noch beim Frühstück sitzen, beim Fachsimpeln. Sprechen von Bogentechniken, von konsequenter Handhaltung, von Geigengefühlen.

Jiwoo Lee aus Korea ist bereits zum zweiten Mal in Rügheim. Sie studiert an der Hochschule in Kassel, will demnächst nach Barcelona. Schön sei es in Rügheim, sagt sie - doch trotz des zweiten Aufenthaltes hat sie von der kleinen Welt rund um Rügheim nicht viel gesehen. Ja, die Verpflegung sei gut, doch Bratwürste kennt sie nicht. Was wiederum Florian Meierott nicht versteht, der gleich zur Einführung fünf Bratwürste vom Grill gegessen haben will. Ebenfalls das zweite Mal ist die 15-jährige Laura Palm aus Jülich in Rügheim. Hobby der Tochter eines Kantors? Klar, Geige und Bratsche. Mit vier hat sie mit der Geige begonnen, seit drei Tagen mit der Bratsche. Letzteres bei Meierott in Rügheim, und es macht ihr viel Spaß. Wieder ein Grund für Hans-Jürgen Kroitzsch, ein hohes Lied auf Meierott anzustimmen: "Er passt sich jedem Niveau an, kann Anfänger begeistern und Meistern etwas beibringen."

Star des Kurses ist Martina Trumpp aus Leutershausen. Mit 16 Jahren eine der ganz jungen Talente. Nächstes Jahr macht sie Abitur, doch derzeit ist ihr Musik wichtiger als Schule. Moment, wagt der Reporter einzuwerfen: 16 Jahre, Abitur? "Klar, zwei Klassen habe ich übersprungen und bin nun ins musische Gymnasium gewechselt, aber vielleicht studiere ich doch Mathematik oder Physik", erwidert das Energiebündel keck.

Wie sie zur Geige kam? Bei der Großmutter hat sie mit acht Jahren eine alte Geige im Schrank entdeckt. Die stammte vom Großonkel, der im Zweiten Weltkrieg gefallen ist. Und da wollte sie das Instrument einfach ausprobieren. Einmal in der Woche habe sie dann Stunden bekommen. Mit neun Jahren wurde der Lehrer gewechselt, er motivierte Martina, sie spielte nun täglich eine halbe Stunde. Mit elf Jahren nahm sie an "Jugend musiziert" teil. Als sie hörte, wie die Sieger spielten, war sie noch mehr motiviert. Mit zwölf wurde sie als Jungstudentin in Würzburg an der Musikhochschule aufgenommen.

Auf den Einwand, dass Musik doch auch ein gutes Studium wäre, schüttelt sie erst mal den Kopf: "Spaß haben, schön spielen, sich verbessern", deshalb sei sie nach Rügheim gekommen und holt ihre Geige, spielt Mendelssohn perfekt, souverän und mit viel Ausdruckskraft. "Frustrierend, so ein Talent", entfährt es Florian Meierott.

Jetzt fehlt nur noch ein Foto. Für den Hof entscheidet sich der Kurs, nicht für den Übungsraum. Ungeniert geht Meierott in seiner kurzen Jeans mit und sorgt für lockere Stimmung. Da wird mit Bögen jongliert und gefochten. Das Bild ist im Kasten, sicherlich etwas außergewöhnlich für einen Meisterkurs. Meierott stellt fest: "Ab heute müssen sie leiden", aber weil man gerade im Hof ist, wird erst einmal ein bisschen Fußball gespielt.
(German Schneider in der Mainpost vom 31.7.2003)




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